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Selbst bauen oder kaufen? Teil 1

Teil I unserer Serie zu KI-gestützter Software-Entwicklung.

Vor zwei Jahren war der Satz „wir bauen uns das selbst“ in einem Veranstaltungsbetrieb meistens das Ende eines Gedankens. Man sprach ihn aus, alle nickten, man rechnete nach – und landete aufgrund der Kosten dann doch bei einer Kauf- oder Mietlösung

Inzwischen ist es aber der Anfang eines Gedankens, ziemlich oft sogar auch der Anfang eines funktionierenden Tools.

Wir merken das inzwischen auch in unseren eigenen Gesprächen. Ein Interessent, der sich nicht für CrewBrain entscheidet, weil er sich was Eigenes gebaut hat. Ein Kunde, der uns zu unserer API befragt, weil er CrewBrain mit seinem selbstentwickelten CRM verbinden möchte. Es sind Einzelfälle, wie sie noch vor wenigen Jahren nicht möglich gewesen wären, zumindest nicht mit dieser Begründung.

Deshalb widmen wir uns in dieser Serie der Entscheidung: Selbst bauen, oder kaufen? Wir möchten einige Argumente darlegen, und zwar in beide Richtungen. Im ersten Teil geht es darum, was sich eigentlich verändert hat und wo Eigenbau die bessere Wahl ist.

Was sich verändert hat

Es ist nicht so, dass früher niemand programmiert hätte. Fast jeder Betrieb, den es länger als ein paar Jahre gibt, hat irgendwo eine Excel-Datei mit Makros, die eigentlich eine Anwendung ist. Oder eine funktionierende Access-Datenbank, die seit 2011 nie jemand angefasst hat, weil die Person, die sie gebaut hat, nicht mehr da ist.

Weg ist die Einstiegshürde. Wer heute Prozesse versteht, aber noch nie eine Zeile Code geschrieben hat, kommt mit den aktuellen AI-Werkzeugen an einem Wochenende zu etwas Lauffähigem. Nicht nur ein bisschen was zu Klicken, sondern etwas, das auf einem Server läuft, einen Login hat und Daten speichern kann.

Das ist nicht kleinzureden. Wer am besten weiß, wie in einem Betrieb disponiert wird, ist nicht der Entwickler, sondern der Disponent. Bisher musste dieses Wissen den Umweg über ein Lastenheft, einen Anbieter und eine Roadmap nehmen. Jetzt kann es direkt in eine Software fließen.

Warum das in der Veranstaltungsbranche schneller geht als anderswo

Der Trend ist branchenübergreifend. In unserer Branche trifft er aber auf besonders guten Boden:

Die Prozesse sind wirklich verschieden. Ein Rigging-Betrieb, eine Messebaufirma und eine Konzertagentur überlappen sich prozessual nicht enorm. Wer für alle drei Software wie CrewBrain bauen möchte, muss sie flexibel und allgemein halten. Das führt aber auch dazu, dass sie auf den betrieblichen Alltag womöglich nicht zu 100 % passt.

Sonderfälle sind in der Branche häufiger „echte“ Sonderfälle. In vielen Branchen halten Betriebe sich für Sonderfälle, sind es letztlich aber nicht. In unserer Branche hingegen gibt es schon alleine so viele Abrechnungsmodalitäten, dass es mit einer Software kaum möglich ist, sie alle vollständig abzubilden – obwohl wir dem schon sehr nahekommen ;).

Die letzten 20 % sind die entscheidenden – Standardsoftware deckt den Großteil gut ab. Der Rest sind Not- oder Bastellösungen. Genau da setzt der Eigenbau oft an.

Zuletzt: Wir sind eine DIY-Branche. Wer Adapter selbst lötet und Cases selbst baut, hat auch keine Hemmung, sich eine Dispo selbst zu bauen.

Wo Eigenbau besser ist

Wir könnten an dieser Stelle als Softwareentwickler natürlich eine Risikoliste auspacken, widmen uns aber erst einmal den Dingen, die ein selbstgebautes Tool einem gekauften – auch CrewBrain – überlegen machen können.

100 % Fit. Die Software heißt so, wie die Dinge im Betrieb heißen. Kein Gewöhnen an andere Begrifflichkeiten, keine Felder für Abläufe, die es nicht gibt und keine Menüpunkte, die im Unternehmen nie verwendet werden. Echte Nischen, z. B. ein individueller Report, können direkt berücksichtigt werden.

Schnelligkeit: Vom Bedarf zur Lösung in wenigen Tagen oder sogar teilweise Stunden. Das kann ein professioneller Softwareanbieter oft nicht leisten. Wenn wir ein Feature bauen, bauen wir es für alle. Das heißt: abwägen, Einstellmöglichkeiten schaffen, Kompatibilität mit dem bisherigen Produkt testen und Support schulen. Das ist der Preis dafür, dass es hinterher bei unseren zehntausenden Nutzern funktioniert, wirkt von außen aber manchmal langsam.

Nebenbei klärt man auch die eigenen Abläufe genau. Wer ein Tool bauen will, muss sich vorher erstmal im Klaren sein, was genau die Prozesse sind, die die Software eigentlich abbilden muss. Wir haben Betriebe erlebt, die genau dabei gemerkt haben, dass drei Leute auch drei unterschiedliche Vorstellungen von derselben Dispo hatten. Das ist oft schon fast mehr wert als das Tool selbst.

Unser Aha-Moment

Auch wenn der erste Reflex vielleicht ein argwöhnisches Beäugeln der Selbstbau-Lösung ist, haben wir schnell gemerkt, dass ein selbstgebautes Tool auch uns als Software-Unternehmen wertvolle Infos liefert.

Wenn man Leute fragt, was sie in einer Software brauchen, bekommt man nämlich das, was sie denken, zu brauchen. An ihrem selbstgebauten Tool sieht man aber, was sie tatsächlich benutzen. Nach ein paar Monaten im Einsatz weiß man, welche Funktion täglich aufgeht und welche nur einmal gebaut wurde und danach eingestaubt ist. An diese Informationen kamen wir bisher praktisch nicht heran, außer es haben sich Kunden mit detaillierten Infos gemeldet (wir tracken aus Datenschutzgründen in unserer Software nicht).

Wenn uns also ein Interessent oder Kunde erzählt, er habe sich selbst was gebaut, ist unsere erste Reaktion Neugier.

Insofern unsere ehrliche Bitte: Wer sich etwas gebaut hat, darf es uns gerne zeigen. Daraus können wir mitnehmen, was wir in CrewBrain vielleicht nachrüsten können oder bisher zu komplex ist.

In Teil II schauen wir uns die andere Hälfte an: Was kostet ein Selbstbau-Tool im ersten, zweiten oder dritten Jahr und warum „es läuft“ nicht dasselbe wie „es ist sicher“ ist.

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